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Ende oder Anfang des politischen Irrsinns - Schloss Cecilienhof in Potsdam im Juni 2017

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Die Frage stellt sich schon, wenn man nach Cecilienhof reist. Der zweite Weltkrieg war wie der erste kompletter Irrsinn, Wahnsinn, Schwachsinn. Es steht außer jeder Frage, dass es ein riesiger Glückmoment für die Menschheit gewesen sein muss, als der Krieg endlich zu Ende ging. Die späteren Siegermächte haben bekannter Maßen ja schon sehr zeitig damit begonnen, Deutschland, einer Torte gleich, unter sich aufzuteilen. In Teheran und Jalta auf der Krim wurde man sich dazu mit mehr oder weniger Zähneknirschen und Säbelrasseln einig.
Als bekennender Geschichtsinteressierter, vor allem an dieser Zeit, bleibt für mich zumindest die oben gestellte Frage, denn die drei Herren, die sich hier zur Potsdamer Konferenz trafen, taten dies nicht mit nur friedlicher Absicht. Einer von ihnen besaß bereits die Atombombe, die er auch sehr bald einsetzen würde, ohne mit der Wimper zu zucken. Ein zweiter Herr in dieser Runde wird darauf hin alles in seiner Macht Stehende unternehmen, um ebenfalls in den Besitz atomarer Gewalt zu kommen. Tja, und über Churchill bin ich auch geteilter Meinung. Wäre es nach ihm gegangen, hätte er die deutsche Zivilbevölkerung aus der Luft vergast. Seine militärischen Berater beknieten ihn an seinem Bett (Vor elf Uhr kam Churchill nie in die Gänge. Er begann den Tag in der Regel mit Zigarre und Whisky. Die Post erledigte er im Bett sitzend.), sich für die „humaneren“ Flächenbombardements zu entscheiden.
Schon ein sehr merkwürdiges Refugium, welches sich dazu aufschwang, über das untergegangene Deutschland zu richten.
Dennoch kann sich der Besucher der ganz besonderen Aura, die dieser Ort versprüht, nicht entziehen. Besondere Menschen treffen sich an einem besonderen Ort, um eine besondere Urkunde zu unterzeichnen, mit gezückten Dolchen natürlich. Am Rande des Treffens gab es eine Vielzahl diplomatischer Nickligkeiten, wie man sich leicht vorstellen kann. Wer reist wann von wo und wie an? Wer sitzt wo? Wer steht neben wem? Wer stellt und eröffnet das Buffet usw.?
Fazit: Hitler hat Europa in Schutt und Asche gelegt. Die drei Herren hier jedenfalls waren immerhin bereit, das gleiche mit der gesamten Welt zu tun. Einer wie der andere: Ohne mit der Wimper zu zucken. Bis heute!

Bild 1: Außenansicht des Anwesens
Bild 2: Einer der markanten Hofansichten. Die verzierten Schornsteine und das hochwertige Fachwerk zeichnet die Architektur des Schlosses auf eigen Weise aus.
Bild 3: Wenn sich überragende Architektur und Innenraumgestaltung miteinander verbinden, dann kommt schon mal eine Schiffskabine im Titanic-Stil dabei heraus.
Bild 4: Blick in den Konferenzbereich
Bild 5: Stalins Arbeitsplatz
Bild 6: So sah es bei Mister Churchill aus.
Bild 7: Herr Truman hatte es auch nicht gerade unbequem.
Bild 8: Dieser Ort lässt den Besucher dann doch sehr andächtig werden. Es ist der Konferenztisch. An ihm saßen sie vereint miteinander, aber doch schon Lichtjahre von sich entfernt. Die Teilung Berlins wird die Menschen besonders ins Herz treffen.
Bild 9: Die Zimmerleute der damaligen Zeit hatten offensichtliche eine sehr gute Ausbildung erfahren.
Bild 10: Zu bestaunen gibt es dort viel. Diese Treppenanlage ist nur ein Beispiel für herausragende Handwerkskunst.
Bild 11: Damit das Essen auch schmeckt: Der Frühstücksraum der anwesenden Herrschaften
Bild 12: So sieht sie aus: Deutschlands Schicksal ist für immer besiegelt, glaubte man. Doch dann erlebten die Menschen 1989 ihre ganz persönliche Sternstunde. Dank auch diplomatischer Vernunft!

Doch ist der Irrsinn nun zu Ende oder nicht? Eher nicht, wenn man sich nach Amerika oder Nordkorea wendet.